Google hat sich mit dem Kauf von Motorola Mobility auf einen Schlag ein Arsenal an Patenten angeeignet. Mitte Juni hatte Google-Chairman Eric Schmidt noch angekündigt, HTC in seinem Patentstreit mit Apple zu unterstützen. Wie er dies gewährleisten wollte, war niemandem bekannt. Nun hat Google die Position eingenommen, aus der Sie in Patentrechtsfragen Apple in etwa auf Augenhöhe entgegen treten können.
Der Suchmaschinengigant ist zwar mit seinem mobilen Betriebssystem Android Marktführer, doch durch das mangelhafte Patentportfolio war Google leicht angreifbar. Das hat sich nun mit einem Paukenschlag geändert. Mit dem Patentportfolio von Motorola hat man sich eine der größten Sammlungen von Rechten an essentiellen Mobilfunktechniken gesichert. So lassen sich eigene Produkte sowie Innovationen schützen und man kann in Lizenzverhandlungen mit anderen Rechteinhabern ganz anders auftreten.
Alle Smartphonehersteller nutzen Technologien von Dritten. Dafür werden Lizenzgebühren fällig. Diese wiederum fließen in die Produktionskosten neuer Geräte ein. Billiger ist es für Produzenten die Nutzung eigener Patente im Tausch gegen die Nutzung fremder Technologien einzutauschen. Google stand etablierten Herstellern wie Apple und Microsoft relativ hilflos gegenüber. Man war abhängig von teuren Lizenzverträgen und lief Gefahr, dass Android sehr hohe Kosten erzeuge und man dadurch ins Hintertreffen gerate.
Aus diesem Grund wollte Google vor wenigen Wochen die sehr umfangreiche Patentsammlung des bankrotten Mobilfunkunternehmens Nortel aufkaufen. Durch die vielen Interessenten waren normale Verhandlungen sehr schwer durchszuführen. Daher entschied man sich das Patentportfolio in einer Versteigerung feil zu bieten. Der Ausgang ist regelmäßigen Lesern des FlowBLOG bekannt: Google gründete gemeinsam mit Intel ein Konsortium, Apple schloss sich mit Microsoft, Sony und anderen Mitglidern zu einem weiteren Konsortium zusammen. Das Konsortioum von Google verlor den Machtkampf. Doch mit dem gestern bekannt gegebenen Deal, sollte die Enttäuschung auf Seiten Googles verflogen sein.
Larry Page, der CEO von Google: “Motorola hat eine über 80-jährige Geschichte in der Kommunikationstechnik und der Entwicklung von geistigem Eigentum”. Motorolas Handysparte setzte schon sehr früh auf Android. Motorola Mobility verfügt über ein Portfolio von mehr als 17.000 Patenten. Wie sich das Mächteverhältnis der einzelnen Parteien dadurch verschiebt, wird sich zeigen. Apple und Motorola stehen bereits im Clinch: Apple will einen Verkauf des Motorola Xoom-Tablets stoppen. Man wirft Motorola vor, genauso wie Samsung, das iPad kopiert zu haben.
Laut Page müssen sich weder die Android-Partner, noch die Motorola-Mitarbeiter auf große Änderungen einstellen. Motorola wird nach wie vor ein selbständiges Unternehmen sein. Googles wichtige Partner, wie Samsung, HTC und LG zeigten sich durch die Übernahme, von der sie schon frühzeitig in Kenntnis gesetzt wurden, begeistert.
Der Kauf wirkte sich bereits am Montag sehr positiv auf die Motorola Mobility-Aktie aus. Die Aktie konnte am Montag mehr als 50% Wachstum verzeichnen. Damit hat die Aktie mittlerweile fast den Wert erreicht, den Google für die Übernahme pro Aktie bezahlt hat. Auch auf Aktien anderer potentieller Übernahme-Kandidaten hat sich der Deal positiv ausgewirkt.
Googles Android-Partner freuen sich einerseits, dass ein neues Gegenwicht zur Macht von Apple entsteht. Andererseits hat Google mit dem Kauf des Smartphoneherstellers einen Status erreicht, der dem von Apple ähnelt. Als Produzent eines Betriebssystems und von Smartphones, steht man nun in direkter Konkurrenz zum iPhone-Erfinder und zur Verbindung Nokia-Microsoft.
Wir dürfen gespannt sein, ob Android die Geräteentwicklung von Motorola Mobility noch stärker beeinflusst und, ob Google Motorola-Geräte bevorzugt behandelt. Denkbar wären vorrübergehende Exklusiv-Veröffentlichungen für Motorola-Smartphones und -Tablets.
Die nächsten Monate werden zeigen, wie Googles Strategie aussieht, wie groß der Einfluss auf den Markt ist und ob Google durch die Nähe zum Mutterkonzern Motorola beispielsweise eine feste Größe im Bereich TV-Receiver und Home-Cinema-Anlagen wird. Durch den bisher fehlenden Erfolg Googles in dieser Branche, drängt sich eine zukünftige Kooperation geradezu auf.


